Monatsimpulse & Lieder 2021

Auf dieser Seite werden Monatsimpulse und Lieder geteilt, die im Rahmen eines kleinen Andachtsbuches für das Jahr 2021 erstellt wurden.

Diese Impulse und Lieder sind Gedankenanstöße und Ohrwürmer von MBKler*innen.

Viel Freude beim Lesen und Hören!

Jahreslosung 2021

„Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!" Lukas 6,36

Der liebe Gott sieht alles!!!
Wer kennt sie nicht, diese oft als bedrohlich empfundene Aussage, die meist von wohlmeinenden Erziehungspersonen in Verbindung mit einem erhobenen Zeigefinger ausgesprochen wird. Leider stimmt sie, diese Aussage: Gott sieht ALLES!                        
Er kennt all deine Verfehlungen, er kennt deine tiefsten inneren Beweggründe, er kennt dich durch und durch, für ihn bist du wie ein aufgeschlagenes Buch . . . .            
Wie findest du das? Ist es schlimm für dich, dass es da einen gibt, dem nichts verborgen bleibt, der alles sieht, das Schöne, die Freude, aber auch die Schattenseiten?
Mich überkommt dabei auf jeden Fall ein mulmiges Gefühl. Aber Gott ist eben auch der liebe Gott, der uns liebende Gott: Er kennt unsere inneren Zerrissenheiten, unser Versagen, unsere Egoismen. Und?! Er liebt uns trotzdem. Er liebt dich so wie du bist.
Er kennt deine Treulosigkeit, das Von-dir-vergessen-werden-im-Alltag... Und?!
Er liebt dich ganz doll, denn er ist mitfühlend und voll verzeihender Liebe, kurzum: Er ist barmherzig! Und wenn du das im Herzen verstanden hast und nun auf deine Mitmenschen schaust, die strenge Lehrerin, die ehrgeizige Kollegin, den nervigen Kunden, auf Frau Merkel und Herrn Spahn in der Corona-Krise, auf den Mann vom Gesundheitsamt, der dich an das Tragen der Maske erinnert, dann höre noch einmal die Worte von Jesus: Sei barmherzig, wie auch dein Vater barmherzig ist!

Was löst das in dir aus? Schaffst du es dann auch voll Mitgefühl, voll verzeihender Liebe auf diese Menschen zu schauen? Schaffst du es, in ihr Herz zu sehen und sie nicht zu verurteilen? Schaffst du es eines Tages auch, barmherzig gegenüber dem Menschen zu sein, der dich sehr verletzt hat? Das ist schwer, aber auch darum geht es Jesus. Und weil ich weiß, wie schwer das ist, habe ich hier ein Gebet für dich, für mich – für uns alle. Ein Gebet, das dich und mich dahin bringt, wie Gott sich uns wünscht. Es stammt aus dem Lied „Jesus“ von Manfred Siebald:
Jesus, bei dir muss ich nicht so bleiben, wie ich bin, nimm fort, was mich und andere zerstört.
Einen Menschen willst du aus mir machen, wie er dir gefällt,
der ein Brief von deiner Hand ist, voller Liebe für die Welt.
Du hast schon seit langer Zeit für mich das Beste nur im Sinn, darum muss ich nicht so bleiben, wie ich bin.

Lied: Jesus, zu dir kann ich so kommen, wie ich bin (Lebenslieder plus, Nr. 72)

Bild zur Jahreslosung

Bildinterpretation

Ins Auge fallen mir zuerst zwei Gestalten auf einem Felsen. Der Felsen: kantig und scharf. Die Brandung schlägt hoch, tosende Wellen, aufbrausend, gefährlich. Vor ihnen liegt das Meer. Ein Sonnenuntergang mit Barmherzigkeit am Horizont. Wunderschön, ruhig und gleichzeitig unerreichbar.
Strecke deine Hand aus! Retten oder Verderben?
Dann auf der linken Seite eine Figur: Aufrecht, abgesondert von der Gruppe, umgeben von Jesu Geboten: Segnet, Liebt, Tut Wohl, Gebt. Strecke deine Hand aus!
Und unten ganz klein: Eine einzelne Figur, gebeugt, verzweifelt, in Dunkelheit. Strecke deine Hand aus!

Mein Blick geht in die Weite. Der Weg zum Horizont liegt offen. Jesus ging übers Wasser! Mit Gott ist alles möglich.
Strecke deine Hand aus!  Der Horizont ist nur wenige Herzschläge entfernt.                    
Jesus spricht zu dem Mann mit der gelähmten Hand: „Strecke deine Hand aus!“ Er tat’s und seine Hand wurde geheilt. (LK 6,10)                        

Was lähmt mein Handeln? Was lässt meine Schultern hängen? Was macht mich mutlos und verzagt? Was hält mich zurück?
Gott selbst ist Mensch geworden. Keine unserer Gefühlsregungen sind Gott fremd. Gottes Barmherzigkeit ist kein ferner Sonnenuntergang, wunderschön anzusehen und doch nie zu erreichen. Gottes Barmherzigkeit gilt für jede:n von uns und ist nur einen Herzschlag entfernt. Gott tritt zu uns und legt seinen Arm um unsere Schultern: „Strecke deine Hand aus“. Das will ich wagen und glauben: Um den Rest kümmert sich Gott!

Lied zur Jahreslosung

Impuls & Gebet: Martin Herbst
Bild: Christina Balke
Bildinterpretation: Maxie Kordes
Lied: Micha Keding & Katja Demma'Indo

Monatsspruch Januar

„Viele sagen: Wer wird uns Gutes sehen lassen? Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!" Psalm 4,7

Ein neues Jahr! 2021 – ich komme! Ich bin voller Neustartfreude. Ein neuer Kalender, eine neue Runde. Jedes Jahr liegt immer wieder neu ein Zauber drüber. Wie Schnee über Nacht. Neues scheint möglich. „Einfach mal machen, könnte ja fantastisch werden“, dieser Spruch stand auf meinem Kalender über dem Jahr 2019. Und jetzt wieder: Ein neues Jahr. Dabei hängt mir noch das alte nach. Ich ertappe mich dabei, dass ich neben der Neustartfreude auch müde bin: Es wird nicht alles neu und gut. Nicht einfach so und ohne Anstrengung, vielleicht auch gar nicht. Ich bin manchmal so abgeklärt, schelte die Zuversicht naiv. „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“  Ich höre das als rhetorische Frage: Da schwingt Enttäuschung mit über andere, über mich selbst, Gott, das Leben. Ich höre auch: „Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes.“ Wie im Segen: „Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir …“. Ich reiche meiner Abgeklärtheit die Hand und ein Bild entsteht: Neujahrsmorgen. Ein Weg zwischen Wald und Feld, schneebedeckt. Weite, Ruhe, Licht. Ich hebe meinen Blick und halte mein Gesicht in die Sonne, schließe die Augen. Ausatmen. Loslassen. Mich Gott hinhalten. Für jetzt gibt es keine Aufgabe. Nur mich ihm hinhalten. Die Wärme auf meinem Gesicht wahrnehmen. Ausatmen: „Gott …“ Einatmen: „… ich bin da“. Zunehmend wärmt mich die Sonne, der Geist wird heller, die Seele klart auf, Zuversicht erwacht, Gott kommt. „Er lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.“ Ich stelle mir vor, wie er mich ansieht, wärmend, licht, gut. Der Rücken erstarkt und mit ihm die Zuversicht. Das Angesicht euchtet. Ich bin gespannt, was passiert. Hab ich einen Neujahrswunsch frei, Gott? Lass meine Augen dein Licht widerspiegeln.
Stell dir vor, Gottes Antlitz leuchtet über dir. Wie ist das? Was könnte passieren, würde das Licht seines Antlitzes hier hineinleuchten?

Gebet: Gott, dein Antlitz leuchtet über mir, danke dafür. Das lass mich sehen, nicht übersehen, wahrnehmen und für wahr nehmen. Lass leuchten dein Licht über mir. Über das gut Sichtbare und Vorzeigbare und über das, was in meinen dunklen Ecken liegt. Ganz vorsichtig. Hilf mir, das auszuhalten. Wie im Segen: „Lasse leuchten dein Angesicht über mir und sei mir gnädig.“ Lass mich Gutes erwarten und die Anfänge sehen, der Hoffnung die Hand hinhalten, Zuversicht und Gottvertrauen üben. Und lass mein Antlitz dein Licht widerspiegeln. Amen.

Lied: Segne uns, oh Herr (Feiert Jesus 2, Nr. 171)

Auslegung & Gebet: Julia Standop-Kunzelmann
Lied: Katja & Use Demma'Indo

Monatsspruch Februar

„Freut euch, dass eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind.“ Lukas 10,20

Ich hätte gerne in die Gesichter der 70 Männer und wohl auch Frauen geschaut, die nach einem anspruchsvollem Auftrag wieder zurück kamen. Sie hatten eine Menge erlebt und erzählten Jesus mit Begeisterung von ihren Erfolgen: Sie haben Geister ausgetrieben, kranke Menschen geheilt und von dem Gottesreich erzählt, das greifbar nahe ist. Alles hat geklappt! Ich vermute Erleichterung und vielleicht auch Stolz in ihren Gesichtern. Sie sind in die Fußstapfen Jesu getreten und haben selber das getan und gesagt, was sie mit ihm erlebt hatten. Sie waren Zeugen, als er Dämonen gebannt und lebensfeindliche Gesinnungen bezwungen hatte. Es musste nicht alles beim Alten bleiben! Die Macht der Lügner und Faktenverdreher war gebrochen, ein anderer Machtbereich lud ein: das Reich Gottes. Mit diesen Erfahrungen kamen die 70 zurück.
Da mag mancher an eine Belohnung gedacht haben, eine andere, vielleicht an eine Art Bundesverdienstkreuz. Ich kann die Freude nach diesem erfolgreichen Einsatz gut verstehen. Ich kenne dieses Hochgefühl nach gelungener Arbeit oder nach einer Begegnung, die meine Seele berührt hat. Anerkennung und Lob wäre zu erwarten gewesen. Deshalb verblüfft die Antwort Jesu nach der Rückkehr seiner Jüngerschaft: „Freut euch, dass Gott euch kennt und ihr Wohnrecht bei ihm habt.“ (nach Jörg Zink). Ohne die Erlebnisse zu schmälern ist die Zugehörigkeit das Geschenk, jenseits der Erfolge und des Scheiterns. Bei aller Unsicherheit haben sie ein Zuhause, das auch Platz bietet für uns.

Gebet: Guter Gott, ich danke dir, dass ich zu dir gehöre. Danke für das Geschenk des Glaubens. Es ist nicht immer selbstverständlich. Hilf mir, wenn Enttäuschung und Zweifel mich plagen, wenn mein Glaube abhanden kommt. Du weißt, das passiert. Lass mich in allen Unsicherheiten wissen, dass es immer einen Platz in deinem Haus für mich gibt. Amen.

Lied: Folgen (Lebenslieder plus, Nr. 93)

Auslegung & Gebet: Margret Sdrojek
Lied: Niclas Grüttner

Monatsspruch März

„Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Lukas 19,40

Schreiende Steine! Wie sehen die aus? Wie hören sie sich an?
Steine – Ich kann dieses Wort nicht denken, ohne dass mich die dicken, fetten, roten Buchstaben anschreien: Steine gab´s und immer Brot1. Ja, ich bin durch und durch ein MBK-Kind und die Hoffnung ist fest in mir verankert, dass es für mich immer einen Stein und eine Aufgabe geben wird und ich gut versorgt bin.
Stolpersteine2 – Sie können nicht schweigen und erinnern mich hartnäckig daran, dass auch in meiner Stadt Menschen wegen ihres Glaubens getötet wurden. Die Steine erinnern mich an meine Verantwortung und schreien mir zu: „Sei wachsam!“
Lebendige Steine – In der Zeit des Lockdowns, in der Spazierengehen zum Privileg wurde, gab es sogar in meinem Dorf überall bemalte Steine am Wegesrand. Sie riefen mir zu: „Lieber Stephan, es wird wieder gut! Freue dich heute!“ Je nachdem, wie der Stein künstlerisch performt war, habe ich ein fröhliches Kinderlachen gehört oder die tröstenden Worte einer Bastelgroßmutter.
Alle diese Steine kannte Jesus damals nicht, als er nach dem Einzug in Jerusalem von den schreienden Steinen sprach. Ihm kam es wohl mehr auf den Wortsinn an: Die Jünger und die Menschen müssen jetzt feiern, sie müssen in die Welt hinaus schreien: Der Messias ist da! Genau das ist jetzt dran. Wenn sie es nicht tun, dann jemand anderes. Diese Botschaft ist so unaufhaltsam, dass weder Steine noch Pharisäer sie aufhalten können. Und das ist gut so!
Ich glaube, ich bemale gleich einen Stein, damit jemand darüber stolpern kann. Vielleicht etwas mit roten Buchstaben!

Gebet: Gott, ich danke dir, dass du mich auf meinem Lebensweg begleitest und behütest. Danke für die Menschen, die sich was trauen und hilf mir, auch so eine:r zu sein. Ich will den Mund aufmachen, wo ich Unrecht sehe. Mach mich mutig dazu. In diesem Monat bitte ich dich: Lass mich einmal ins stolpern kommen, damit meine Augen auf bleiben und mein Herz wach bleibt. Amen.

Lied: Ich kann nicht schweigen (Feiert Jesus 2, Nr. 214)

1 Das Buch „Steine gab’s und immer Brot“ von Käte Brandt aus dem MBK-Verlag erzählt die Geschichte des MBK
2 Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt

Auslegung & Gebet: Stephan Egbert
Lied: Gerd Voß

Monatsspruch April

„Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung." Kolosser 1,15    

Erstgeboren sein? Das ist oft nicht leicht. Die Last hoher Erwartungen drückt auf die schmalen Schultern. Das Päckchen der Einzigartigkeit wiegt schwer. Verantwortung für das Glück der Familie scheint bei manchen in der Wiege zu liegen. Wenn noch weitere Kinder folgen wird es nicht einfacher. Das Erste muss Rücksicht nehmen, Verantwortung übernehmen, zurückstecken. Der Sturz vom Thron kommt überraschend, schnell und schmerzhaft. Meist bahnen die ersten den folgenden Geschwistern den Weg. Oft dürfen die „Kleinen“ viel mehr als das Erstgeborene. Das ist ungerecht! Ja, das ist es. Und es ist schwer. Auf der anderen Seite gibt es zwischen den Erstgeborenen und den Eltern eine ganz besondere Nähe, einen Zauber, ein Staunen über das Große, das da passiert ist, unbeschreibliches Glück über die erste Geburt. Fassungslosigkeit über die Erkenntnis: Das ist ein Teil von mir. Manchmal sind die Ähnlichkeiten frappierend, nahezu unheimlich, erstaunlich. Als ob das Kind den Eltern den Spiegel vorhält: Guck mal! Das bist auch du! Das Erstgeborene hat bei allem Schweren immer auch eine ganz besondere, einmalige Stellung. Ob Jesus die Rolle des Erstgeborenen immer so recht war? Es war für ihn oft ein schwerer und unerträglicher Weg. Er übernimmt die Verantwortung, er ebnet Wege, bricht Bahn. Er wird vom Thron gestoßen, steckt zurück und erlebt unerträgliche Ungerechtigkeit. Aber seine Beziehung zu seinem Vater ist einzigartig. Die Ähnlichkeit mit seinem Vater macht mich fassungslos, denn ich kann den Unsichtbaren in ihm sehen. Ich staune über diese Nähe, genieße die Vertrautheit, spüre: Der tut alles für mich!                   

Gebet: Unsichtbarer Gott, wie unglaublich ist es, dein Wesen in Jesus zu sehen, zu wissen und zu spüren, dass deine Liebe unfassbar groß ist. Wie eine Löwin kämpfst du um deine Kinder. Dank sei dir dafür. Jesus, großer Bruder, ich danke dir von Herzen für alles, was du für uns tust: Verantwortung übernehmen, Wege ebnen, uns an der Hand nehmen und begleiten durch Glück und Unglück. Amen.

Lied: Jesus first (aus Feiert Jesus 3, Nr. 132)

Auslegung & Gebet: Katja Demma’Indo
Lied: Katja & Use Demma'Indo