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Begegnung in Indien

In den Osterferien reisten fünf junge Menschen aus dem MBK-Nordelbien direkt ins Teeanbaugebiet Assam. Ein verlockender Gedanke für Teeliebhaber, aber es ging zu körperlicher Arbeit in ein Workcamp in Jiagabhoru. Hier, im Nordosten Indiens sind die Gemeindeglieder der kleinen Lutherischen Kirche (ca. 8000 Mitglieder) sehr arm. Sie besitzen kaum Land und finden traditionell Arbeit in den umliegenden Teegärten. Deshalb hat die Kirche zur Verbesserung der Einkommen ein Gelände angekauft, auf dem Lebensmittel angebaut werden sollen. Johanna Strang, Franziska Reuter, Agnes Rahe, Jurij Berger und Joachim Kurowski konnten dabei mit 100 weiteren Jugendlichen aus der dortigen Kirche helfen. Die Betreuung erfolgte durch die Assam Evangelical Lutheran Church, AELC in Zusammenarbeit mit dem Nordelbischen Missionszentrum NMZ.Franziska Reuter erzählt von den Erlebnissen und den vielfältigen Begegnungen:

Nach einem langen Flug landeten wir gut in Guwahati und wurden von Bischof Nag und Marush, einem Mitglied des Workcamps, abgeholt. Zunächst fuhren wir drei Stunden über die Hauptstraße und durch Dörfer zu unserer ersten Unterkunft. Die indische Landschaft ist wunderschön; überall wachsen riesige Bambus- und Bananenbäume. Die Häuser sind aus Lehm oder aus Bambus gebaut. Wir hatten das Gefühl, direkt durch den Dschungel zu fahren. Auf den Straßen waren überall Kühe zu sehen; viele Menschen fuhren mit dem Fahrrad. Sie schauten unse-rem Auto nach, weil es ein Zeichen für Reichtum ist. Es gibt in Indien sehr viel "labour"-Arbeit (körperliche Arbeit). Oft sahen wir Inder, die schwere Steine für Straßen transportierten, auf Feldern arbeiteten oder Bambus auf den Schultern schleppten.

Am nächsten Tag arbeiteten wir in einer Teeplantage. Beim Teemanager angekommen, wurden wir in zwei verschiedene Unterkünfte für Frauen und Männer gebracht. Wir waren bei Hindus zu Gast, die erzählten, dass ihre Tochter Christin werden will, was wir sehr interessant fanden. Die Gastfreundschaft der Inder ist uns überall begegnet, wir waren in jedem Haus willkommen und wurden sehr gut versorgt. Abends warteten ca. 300 (!) indische Christen auf uns im Willkommensgottesdienst, um uns zu empfangen. Mit Gesang und selbst gemachten Blumenketten um den Hals wurden wir sehr herzlich begrüßt. Es wurde für uns gesungen, getanzt und gebetet. Auch wir haben etwas vorgesungen und uns vorgestellt. Völlig überwältigt von der Gastfreundschaft fielen wir übermüdet in unsere Betten.

Am nächsten Morgen haben wir Mädchen Saris angezogen bekommen und sind Teepflücken gegangen; Saris sind wunderschön! Das Pflücken war sehr aufregend, denn alle indischen Arbeiterinnen baten ihren Chef, eine Pause zu machen, um uns bei der Arbeit zu zuschauen. Die Arbeiterinnen arbeiten acht Stunden am Tag. Der Korb, den man auf dem Rücken trägt, wird, je voller er ist, immer schwerer und der Rücken schmerzt. Die Pflückerinnen sind jedoch glücklich, weil sie einen Job haben, mit dem sie ihre Familie ernähren können. Wir besuchten auch Teeplantagen, die mit Fair trade-Tee handeln. Die Arbeiter dort erhalten dadurch einen höheren Lohn. Kauft Fair trade-Tee!

Nach einer Woche kamen wir an unserem Ziel im Working camp in Jiagabhoru an. Auch hier war der Empfang sehr herzlich. Wir lernten unsere Jugendgruppe kennen und hatten einen sehr schönen Gottesdienst; mittlerweile hatten wir Bihou tanzen gelernt und konnten mittanzen. Wir wurden überhaupt sehr häufig zum Tanzen aufgefordert. In den Gottesdiensten wurde für uns die Stellung von Frau und Mann erkennbar: Die Männer nahmen auf Bänken auf der einen Seite Platz, getrennt von den Frauen, die auf dem Boden auf der anderen Seite saßen. In Indien gibt es arrangierte Hochzeiten, aber auch Liebeshochzeiten. So wurden wir öfter gefragt, ob wir einen Freund bzw. eine Freundin haben und ob wir aus Liebe heiraten wollen. Beziehungen vor der Ehe werden geheim gehalten, weil diese nicht erwünscht sind. Nur verheiratete Pärchen dürfen ihre Liebe kund geben, aber nicht nach außen zeigen. Männer und Frauen zeigen sich in der Öffentlichkeit nur separat. Gerade deshalb war das Thema Liebe und Beziehungen für die Jugendlichen, die wir getroffen haben, sehr interessant und sie stellten uns viele Fragen.

Bischof Nag und seine Familie stellten uns sehr schöne Zimmer zur Verfügung. Das Essen war scharf und lecker, wir haben sogar mit Fingern essen gelernt. Bischoff Nag war immer bei uns und hat gut auf uns aufgepasst. Beim kleinsten Ratscher fragten er und seine Familie uns, ob sie einen Krankenwagen rufen sollten.

Nun folgte unser Einsatz im Camp: Wir hoben einen Fischteich aus, was sehr anstrengend war. Die Frauen trugen die Körbe voll Erde auf dem Kopf. Wir übten das und manchmal gelang es uns. .... Ein riesiger Spaß, aber auch sehr anstrengend, war das Bambusschlagen, weil der Bambus sehr groß ist und man diese großen Bambusstangen auf den Schultern zum Zielort bringen musste.

Nach dieser Arbeit widmeten wir uns dem Thema "Youth against poverty" (Jugend gegen Armut) und diskutierten in mehreren Runden zu "Definition von Armut" und "Armut in Indien". Wir überlegten, was man gegen Armut tun kann und was wir als Gruppe für die Inder tun können. Ihnen war sehr wichtig, dass wir von unseren Erlebnissen in Deutschland erzählen. Die Diskussionen waren spannend, aber auch traurig, weil es uns schwer fiel, eine Lösung, wenn es die überhaupt gibt, zu finden: Wir konnten ihnen nur sagen, dass wir durch Spenden helfen wollen. Und, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen und ihre Talente fördern müssen, damit sie Geld verdienen können, um z.B. ihre Schulausbildung zu finanzieren. Wir haben uns sehr gefreut, dass unsere Geldspenden gut angenommen und überlegt verteilt wurden. Der Bischof und der Kirchenvorstand entscheiden darüber und prüfen, ob dass Geld sinnvoll genutzt wird.

Wir feierten Ostern in einer von den 14 christlichen Gemeinden in der Umgebung. Wir konnten eine schöne Osterzeremonie miterleben, die von vier Uhr morgens bis zum Sonnenaufgang ging, um die Auferstehung Christi zu symbolisieren. Nach ein paar Tagen hatten wir ein sehr schönes, freundschaftliches Verhältnis zu der Jugendgruppe aufgebaut und machten Dorfbesuche. Wir waren in mehreren Häusern zu Gast, worüber sich die Besitzer sehr freuten und sich geehrt fühlten. Bischof Nag sagte, dass sie es wohl nie in ihrem Leben vergessen werden, dass "weiße" Menschen aus Deutschland bei ihnen zu Gast waren.

Über die Umstände an den Grund- und weiterführenden Schulen waren wir sehr erschrocken. In Indien ist die Schule kostenpflichtig und in einer Klasse werden bis zu 80 Schüler und Schülerinnen unterrichtet! Ein Englischlehrer verstand unser Englisch nicht, denn er konnte es selbst kaum sprechen. Die Schüler litten unter strengen Unterrichtsmethoden. Schläge mit dem Stock als Bestrafung sind dort noch üblich. Vom Staat bekommen die Schulen nur wenig Unterstützung, die Lehrkräfte sind unterbesetzt.

An einem anderen Tag besuchten wir ein tolles Sozialprojekt: Kinder von Eltern, die sich die Schule nicht leisten können, werden von deutschen Spenden des NMZ oder von einzelnen Gruppen unterstützt. Diese Kids leben in einer Jugendherberge, um eine Schulausbildung zu bekommen. Sie teilen sich ein großes Zimmer mit zehn Betten und haben nur eine Kiste als Schrank. Das Bett ist hart wie ein Tisch, aber sie bekommen zu essen und gehen zur Schule. Wir haben uns ein Beispiel an ihnen genommen, mit wenigem sehr glücklich zu sein und sich über das zu freuen, was wir haben!

Wir durften in Indien viel Aufregendes und Schönes erleben, aber auch manches, dass uns nachdenklich macht. Der Abschied fiel uns allen schwer und es flossen viele Tränen. Wir haben viele Adressen zum Briefe schreiben ausgetauscht und hoffen auf ein Wiedersehen irgendwann im Leben.

Franziska Reuter


 
 
 
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